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Fluorid: Gift oder Wunder?

10.08.2021 | Lesezeit: 7 min

Um den Stoff Fluorid gibt es gerade, wenn es um die Zahnhygiene geht, heiße Debatten. Die einen schwören auf den Stoff. Die anderen verteufeln ihn. Doch wer hat nun Recht? Und brauchen wir Fluorid überhaupt? Oder ist Fluorid sogar schädlich? Wir klären auf.

 

Was wird in diesem Beitrag behandelt?

  1. Was ist Fluorid und was ist der Unterschied zu Fluor?
  2. Wie wirkt Fluorid eigentlich?
  3. Wie schädlich ist Fluorid? Wovon hängt seine schädlichkeit ab?
  4. Woher weiß ich, dass ich zu viel Fluorid zu mir genommen habe?
  5. Was ist das schlimmste, was dann passieren kann?
  6. Brauchen wir Fluorid nun oder nicht?

1. Was ist Fluorid?

Um zu verstehen, was Fluorid genau ist und warum es von so vielen verteufelt wird, muss man erst mal auf den Zusammenhang zu Fluor eingehen. Denn das ist wirklich ein gefährlicher Stoff: Fluor ist ein giftiges und stark riechendes Gas. Schon in geringen Mengen wirkt es extrem toxisch. Somit wäre die Aufnahme von Fluor natürlich sehr schädlich. 
Dahingegen ist Fluorid, obwohl es durch den Namen genauso giftig klingt, ein Stoff, der natürlich in unserer Umwelt vorkommt. Zum Beispiel in verschiedenen Gesteinen und auch Lebensmitteln. Durch Trinkwasser, Salze, Milch, Tabletten, Zahncremes und weiteren Stoffe kommen wir täglich mit Fluorid in Kontakt - ohne es zu merken. Doch das ist nicht weiter schlimm. Denn überall, wo Fluorid als Inhaltsstoff auftaucht, gibt es eine vorgeschriebene Maximalbegrenzung. Denn auch Fluorid kann giftig sein, aber erst ab einer viel höheren Dosis. Fluorid kommt z.B. auch bei Rattengift und Pestiziden zum Einsatz. Hier wird seine toxische Wirkung deutlich. Dies ist aber keine vergleichbare Menge zu der, welche in Lebensmitteln oder Zahnpasta zu finden ist.

 

2. Wie wirkt Fluorid eigentlich?

Fluorid wird eine heilende und unterstützende Wirkung im Mundraum, besser gesagt dem Kristallgitter unserer Zähne, nachgesagt. Dieser kann nämlich von der remineralisierenden Wirkung profitieren, wenn die Zähne durch Säure angegriffen wurde. Bei dem Säureangriff entstehen Löcher im Zahn, welche durch das Fluorid quasi wieder gestopft werden kann. Fluorid baut die Zähne somit wieder auf Schützt sogar vor neuen Angriffen.

Hier eine vereinfachte Darstellung des Prozesses:

Ausführlicher beschrieben funktioniert der ganze Prozess so:
Durch die Aufnahme von Kohlenhydraten, meist in Form von Essen, kommt es zu einer Ver­stoff­wechse­lung der Bakterien, was letztendlich zur Säurebildung führt. Diese Säure ist gefährlich für unsere Zähne, indem sie den Zahnschmelz und das Kristallgitter angreift. Die Bakterien sind allerdings nicht das grundlegende Problem. Wir alle haben viele verschiedene Bakterienkulturen im Mundraum, die man sich als kleine zusammenlebende Völker vorstellen kann. Viele davon sind friedlich und sogar für essentielle Prozesse, wie zum Beispiel den Stoffwechsel oder Verdauungsprozesse verantwortlich. Unter anderem befinden sich im Mund aber auch die Kariesbakterien, die Familie Streptococcus Mutans. Dieses Volk wird erst rebellisch, wenn es wächst und überhandnimmt. Die Kariesbakterien schnappen sich nämlich die Kohlenhydrate, die wir zu uns nehmen, und verwandeln sie in Säure um Energie zu gewinnen und sich so zu vermehren. Je mehr Säure sie bilden, desto mehr wächst das Volk der Kariesbakterien. Und desto mehr werden unsere Zähne angegriffen.

Wir wissen also, dass es einen sterilen Mund ohne Bakterien, wie es die ein oder andere Mundspülungswerbung suggeriert, nicht gibt. Entscheidend ist somit eine ausgeglichene Bakterienbalance. 

Wenn wir es schaffen, dass alle Bakterienvölker im Mundraum mengentechnisch in einem Gleichgewicht bleiben, haben unsere Zähne keine Probleme mit ihnen. Unser Körper weiß das und hat uns deshalb mit dem Wunderwasser Speichel ausgestattet. Speichel besteht zu 95%, also fast komplett aus Wasser - die letzten 5% haben es aber in sich. Hier haben Forscher bereits mehr als 2000 Elemente gezählt. Während weiterhin geforscht wird, welche Stoffe noch im Speichel stecken und warum, ist bereits klar, dass Speichel eine Menge Mineralien enthält. Vor allem Kalzium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen und Kupfer sind darin enthalten um unsere Zähne zu schützen. 

Unser Zahnschmelz besteht zu 98% aus Mineralstoffen. Genau das macht unseren Zahnschmelz so hart, doch dieser beginnt sich bei einer sauren Umgebung (niedriger pH-Wert) aufzulösen, wie schon im oberen Absatz beschrieben. Da kommt die sogenannte „Remineralisierung“ ins Spiel, bei der der Speichel eine entscheidende Rolle spielt. Er versorgt unsere Zähne mit Nährstoffen, Mineralien und Puffersubstanzen, welche die Säure neutralisieren. 

 

Ok, und wie kommt Fluorid da ins Spiel?

Fluorid wirkt auf verschiedene Arten. Einerseits hat es eine antibakterielle Wirkung, was durch Natriummonofluorphosphat, Natriumfluorid und insbesondere Aminfluorid bewirkt wird. Somit bleiben die Bakterienkulturen im Mund in einem Gleichgewicht und können erst gar keine gefährliche Säure bilden.
Andererseits sorgen die Floruid-Ionen, sowie das Kalzium und andere wertvolle Stoffe dafür, dass das Zahnschmelz gestärkt und somit resistenter gegen die Säure ist. Die Fluorid-Ionen können die Mineralien, welche durch die Säure aus dem Zahn herausgelöst wurden wieder ersetzen. Sie stopfen quasi diese Löcher. Außerdem legen sie sich als zusätzliche Schutzschicht um den Zahn herum. Es bildet sich quasi zusätzlich ein Schutzschild gegen neue Säureangriffe. Diese Prozesse werden unter dem Namen “Remineralisierung” beschrieben.


Allerdings ist Fluorid nicht der einzige Stoff, der diese profitablen Eigenschaften hat. Wir benutzen zum Beispiel in all unseren Zahncremes Calciumcarbonate (Kreide). Diese dienen nicht nur als sanfter Putzkörper, der die Zähne ohne sie zu beschädigen, sauber macht. Sie haben ebenfalls den Vorteil einer leicht remineralisierenden Wirkung. Auch den antibakteriellen Effekt kann man durch andere natürliche Substanzen erzielen, deshalb sind alle unsere Zahncremes aus antiseptisch wirkendem Kokosöl. (Manche haben sogar den extra Booster an antibakterieller Wirkung, da zusätzlich ätherische Öle, wie z.B. ätherisches Ingweröl verwendet wird.)


Kleiner Exkurs: Die Wirkung von Kokosöl

Kokoöl mit Kokosnüssen

Wir wissen nun was Speichel, Fluoride und Calciumcarbonate können und das Kokosöl da wohl auch eine gute Alternative bieten kann. Aber wie funktioniert das nun im Detail?

Kokosöl hat aufgrund seiner hohen Menge an Laurinsäure (dies ist eine der guten Säuren) antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften. Vor allem wirkt diese auf Kariesbakterien. Kokosöl kann in der Mundpflege der Vermehrung der Kariesbakterien, wie weiter oben beschrieben, von Anfang an entgegenwirken. Wenn Kokosöl eine gesunden Bakterienbalance schaffen kann, in der alle Bakterienvölker friedlich miteinander leben können, kommt es als gar nicht erst dazu, dass ein saures Milieu entsteht oder gar Karies entsteht.

Kokosöl sollte also nicht als Ersatz zu Fluorid gesehen werden, da es ganz anders wirkt. Vielmehr sollte man es als alternativen Lösungsweg zum Erreichen des gleichen Ziels verstehen: Der Erhaltung eines gesunden Mundraumes.

Aus Kokosöl kann man sogar seine Zahnpasta selber machen! Wie ihr das macht, erfahrt ihr HIER!

 

3. Wie schädlich ist Fluorid? Wovon hängt seine Schädlichkeit ab?

Die Toxikologie ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Hierzu gehören die Art des Fluorids, wie leicht es sich in Reaktion mit anderen Stoffen löst, wie schnell es einwirkt, welchen pH-Wert das Fluorid hat und dem Säure-Basen-Haushalt. Aber natürlich auch von der aufgenommenen Menge.

Eine normale Zahnpasta enthält 1000 bis 1500 ppm (parts per million) Fluorid. Das entspricht 1 bis 1,5 Milligramm Fluorid pro Gramm Zahnpasta. Dieser Fluoridgehalt ist auch gesetzlich geregelt. Erwachsene vertragen diese Menge ohne Probleme, doch Kinder haben eine geringere Verträglichkeit. Da könnte es bei dieser Menge schon gefährlich werden.

Denn die Verträglichkeit von Fluorid wird mit dem Körpergewicht verrechnet. Umso weniger jemand also wiegt, desto weniger Fluorid darf er/ sie zu sich nehmen. Eine Faustregel besagt: 0 bis 40 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag. Für einen durchschnittlichen Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 65 ergibt das also ca. eine Tagesdosis von 3,45 Milligramm. Da die maximale tägliche Fluoridmenge bei Kindern geringer liegt, muss man hier vorsichtig sein. Sie können sich schon getrost die Zähne putzen. Brenzlig wird es jedoch, wenn Ihre Kinder auf die Idee kommen die Zahnpasta zu essen, weil sie so lecker ist. 

Hier findet ihr eine grobe Übersicht mit von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. empfohlenen Tagesdosen nach Alter:

Tabelle als Übersicht über die empfohlene Fluorimenge nach Alter von Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V.

Um einer zu hohen Fluorid-Dosis bei Kindern entgegenzuwirken, kann man den sogenannten Fluoridstatus bestimmen. Dafür muss man den Fluoridgehalt des Trink- und Mineralwassers in Erfahrung bringen. Auch sonstige Mittel wie Milch, Salz, etc., die täglich aufgenommen werden, sollten auf den Fluoridgehalt geprüft werden. Somit weiß man nun, wie viel Fluorid das eigene Kind ungefähr täglich zu sich nimmt. Als Nächstes bestimmt man, wie viel Fluorid Ihr Kind zu sich nehmen darf. Aus der Differenz der tatsächlichen täglichen Einnahme und der maximalen täglichen Einnahme, weiß man nun, wie viel das eigene Kind noch maximal zu sich nehmen darf. Eventuell sollte man vermeidbare Einnahmen wie die durch Zahncreme vermeiden, da es hier im Gegensatz zu anderen Stoffen Alternativen gibt. Wenn Sie das nicht wollen, sollten Sie zumindest auf fluoridärmere Zahnpasta zurückgreifen. 

Noch aus einem weiteren Grund sollte man bei Kindern vorsichtig mit Fluorid-Zahnpasten sein: Milchzähne reagieren besonders empfindlich auf eine zu hohe Fluoridzufuhr. Sie kann zu einer Fluorose führen, ein Zahnschmelzdefekt, der sich durch weiße Flecken auf den bleibenden Zähnen bemerkbar macht. Um dem vorzubeugen, ist der Fluoridanteil bei Kinderzahnpasta gesetzlich auf 0,05% beschränkt.

Fluoridfreie Kinderzahnpasta

 

Und wie sieht es mit Schwangeren aus?

Die Frage ist etwas schwieriger zu beantworten. Einerseits raten manche Expert*innen wie Prof. Schatz von der Universität Bochum dazu, den Fluoridkonsum in der Schwangerschaft auf ein Minimum zu reduzieren

Andererseits wird der Mundraum in der Schwangerschaft z.B. durch Säure beim Erbrechen stark belastet, weshalb eine fluoridhaltige Zahncreme von der Schulmedizin meistens empfohlen wird. Das ist unter anderem auch auf die hormonelle Umstellung zurückzuführen, die eine Auflockerung des Bindegewebes verursacht. Hiervon ist auch das Zahnfleisch betroffen, wodurch sich dieses schneller entzünden kann. Außerdem haben viele Frauen in der Schwangerschaft mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen. Die Magensäure greift den Zahnschmelz an, schwächt ihn und macht ihn anfälliger für Karies.


4. Woher weiß ich, dass ich zu viel Fluorid zu mir genommen habe?

Bei folgenden Symptomen solltet ihr aufhorchen und einen Arzt aufsuchen, um eine Fluorid-Überdosis ausschließen zu können: Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen. Diese Symptome haben damit zu tun, dass sich bei einer akuten Fluoridvergiftung schwer lösliche Fluoridverbindungen zusammen mit der Magensäure hochgiftigen Fluorwasserstoff bilden. Dieser greift nun die Magen- und Darmschleimhäute an. Es können aber auch nervliche Probleme wie Kribbeln oder ein pelziges Gefühl auf der Zunge auftauchen.


5. Was ist das Schlimmste, was bei einer zu hohen Einnahme von Fluorid passieren kann?

Es kann passieren, dass z.B. über das Trinkwasser dauerhaft zu viel Fluorid aufgenommen wurde. Dies ist zwar in Deutschland nahezu nicht möglich, da es wie schon gesagt eine geregelte Höchstmenge gibt. Doch im Zusammenhang mit anderen Lebensmitteln oder dem versehentlichen Verzehr von Zahnpasta, kann es akut oder dauerhaft schon passieren, dass zu viel Fluorid aufgenommen wird. Als Reaktion auf die hohe Fluoridmenge kann es zur sogenannten Knochenfluorose kommen. Die Knochen weisen dabei zwar eine wunderbar hohe Knochendichte auf, da die Mineralien sind anlagern und ähnlich wie den Zahn stärken, doch sind so verhärtet und dicht, dass ihnen ihre naturgemäße Elastizität verloren geht, woraufhin sie immer brüchiger werden. Im Extremfall versteifen sich im Verlauf der Knochenfluorose auch die Gelenke samt der Wirbelsäule. Doch in diesem Ausmaß kann sowas in Deutschland und der ganzen EU nicht passieren, da unser Trinkwasser und sonstige Stoffe, die Fluorid enthalten, einer strengen Kontrolle unterliegen.


6. Brauchen wir Fluorid nun oder nicht?

Diese Frage ist nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Wir sehen uns als Aufklärer in der Sache. Entscheiden zu welcher Zahnpasta ihr morgens greift und was für eure Zwecke gut oder schlecht ist, müsst ihr selbst. Deshalb bieten wir beides an (die Fluorid-Zahncreme erkennt ihr an dem weißen Streifen).

Sicherlich gibt es Menschen, die von Natur aus zu einer übermäßigen Produktion von Kariesbakterien tendieren und die mit einer Fluorid-Zahnpasta wahrscheinlich am besten aufgehoben sind. Grundsätzlich kommt das aber selten vor.

Wir wissen, dass es viele Fluorid-Anhänger*innen und auch Gegner*innen gibt. Uns ist aber auch bewusst, dass die meisten Menschen ein sehr gutes Gespür dafür haben, was sie ihrem Körper zuführen möchten, sobald sie denn aufgeklärt wurden.

Es ist aber in jedem Falle ratsam sich mit den Inhaltsstoffen der Kosmetik auseinanderzusetzen, die man jeden Tag an den eigenen Körper lässt! Warum Naturkosmetik dabei eine wichtige Rolle spielt, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

 

Hier deshalb nochmal ein paar zusammenfassende Stichpunkte, die euch bei der Entscheidung helfen können:

  • Einen Mangel an Fluorid gibt es nicht
  • Fluorid dient dem Zahnschmelz als Schutzschicht und Remineralisierung
  • Calciumcarbonate helfen auch bei der Remineralisierung des Zahnschmelzes
  • Kokosöl wirkt antibakteriell und entzündungshemmend und sorgt für eine ausgeglichene Bakterienbalance
  • herkömmliche synthetische Zahnpasten haben meist grobe und scharfe Putzkörper, welche de Zahnschmelz sogar angreifen können (z.B. Titandioxid), um die Zähne so weiß wie möglich zu machen (optisches Marketing - sieht schön aus, ist aber gar nicht so gut für eure Zähne)
  • die meisten synthetischen Zahnpasten bestehen bis zu 80-90 % aus Wasser und enthalten oftmals scharfmachende Schaumbildner (SLS)
  • das brennende Gefühl einer synthetischen Zahnpasta wird oftmals mit Frische verwechselt

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